Meine Selbständigkeit und ich

"Wenn ich das früher gewusst hätte", wie viel Stress es bedeuten kann, wenn man selbständig im Homeoffice arbeitet und niemanden hat, der noch mal schnell über einen Entwurf drüber schaut, hätte ich mich trotzdem selbständig gemacht, aber früher nach Unterstützung gesucht. 

 

Wenn ich gewusst hätte, in welche Terminschwierigkeiten man geraten kann, wenn eines der Kinder gerade dann krank ist, wenn man ganz dringend einen Auftrag fertigstellen muss, dann hätte ich viel schneller Arbeiten vergeben und Aushilfen beschäftigt, um mir so Entlastung zu verschaffen - leider war ich damit anfangs zu zögerlich. 

 

Ja, ich muss es ehrlich zugeben, die Selbständigkeit und ich, "wir" waren am Anfang eine reine Zweckgemeinschaft. Ich hatte nie darüber nachgedacht, mich selbständig zu machen und plötzlich war ich es! Aber wie kam es dazu?

 

Nach meinem Studium zur Kommunikationsdesignerin arbeitete ich lange Zeit erfolgreich in den Marketing-Abteilungen unterschiedlicher Verlage.  Dann folgten einige Jahre, die ich mit meinem Mann in Brasilien verbrachte. Eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Viele Eindrücke von Land und Leuten und tolle Freundschaften sind bis heute ein wunderbarer Teil meines Lebens.

 

Aber nicht nur das haben wir mitgebracht, sondern es kündigte sich auch Nachwuchs an, so dass ich nach der Zeit in Brasilien erstmal mein Muttersein in vollen Zügen genoss. Denn meine Entscheidung war immer klar; ich möchte Zeit für meine Kinder haben und ihre Entwicklung erleben und mitgestalten.

 

Aber ich wollte auf jeden Fall auch arbeiten, Geld verdienen und finanziell unabhängig sein. Teilzeitarbeit gab es damals (vor 15 Jahren) im Bereich der Verlage und Agenturen nicht.  Zu meinem alten Arbeitgeber konnte ich durch die Zeit im Ausland und die anschließende Elternzeit nicht zurück. Also, ein Mini-Job? Das habe ich versucht und für sehr wenig Geld eine Arbeit gemacht, die mir noch weniger Spaß gemacht hat. Mein Fazit: Das kommt für mich nicht infrage!

 

Ein Berufscoaching brachte sie dann auf die Welt, meine Selbständigkeit.

Mit neuer Grafik-Software und entsprechendem Wissen ausgestattet gingen "wir" , meine Selbständigkeit und ich, an den Start. Ganz vorsichtig bewegten "wir" uns auf dem unbekannten Terrain des freien Unternehmertums. "Unser" Arbeitsplatz war ein Laptop im Wohnzimmer.

 

Die Akquise der ersten Kunden verlief überraschend gut und so entschieden "wir" uns dazu, ein Büro einzurichten mit einem schönen großen Monitor, so wie es sich für eine selbständige Grafikdesignerin gehört.  

Alles lief gut, aber wenn ich ehrlich bin, "wir" waren am Anfang ziemlich allein und fühlten uns oft einsam, meine Selbständigkeit und ich. Es war sehr ungewohnt, niemanden direkt um Unterstützung fragen zu können. Die Einsamkeit im Homeoffice war eine große Herausforderung für mich. Früher immer von Kollegen und Kolleginnen umgeben war es jetzt meist ruhig im Büro, sehr ruhig, viel zu ruhig ... aber irgendwann musste ich ja mal reden ... "wenn das meine Familie früher gewusst hätte" :-) .

 

Heute ist mir klar, dass Selbständigkeit nicht bedeutet, allein und still und leise Kundenaufträge abzuarbeiten. Kommunikation, Austausch und Netzwerken sind wichtige Pfeiler in meinem Leben als Selbständige geworden, sie tragen ganz wesentlich zu meinem Wohlbefinden bei. Nur so kann mein Business wachsen und sich erfolgreich am Markt behaupten.

 

Trotz aller Startschwierigkeiten wuchsen "wir" zusammen, meine Selbständigkeit und ich. Wir wurden ein richtig gutes Team. Mein Kundenstamm vergrößerte sich, genauso wie "unser" Büro, eine Buchhaltungssoftware musste her, ein größerer Rechner, ein Besuchertisch und Stühle. Und es gab Wochenendarbeit, unregelmäßige Auftragsvolumen, arbeiten unter Zeitdruck und Volldampf, wie ich das aus dem Angestelltendasein vorher nicht kannte.

 

Aber immer öfter gab es große und kleine Erfolgserlebnisse und ganz langsam begannen wir uns zu mögen, meine Selbständigkeit und ich. Und eines Tages konnte ich sagen, ja, ich bin gerne selbständig.

 

Es macht mich stolz und zufrieden, "meine" Plakate am Straßenrand zu sehen, "meine" Broschüren, Faltblätter, Visitenkarten anzufassen und ich freue mich darüber, dass meine Kunden mit meiner Unterstützung Ihre Veranstaltungen füllen, für sich neue Kunden akquirieren oder ihre Produkte verkaufen. Und ich bin glücklich, dass ich für meine Kinder da sein kann, wenn sie traurig oder krank sind oder dass ich auch einfach mal "blau" machen kann, um mit ihnen Eis essen zu gehen. 

 

Aber ich habe das nicht allein geschafft. Ein ganz großes Dankeschön geht an meine langjährigen Kunden, die dazu beigetragen haben, dass ich zwischendurch nicht aufgegeben habe. Ein großes Dankeschön auch an meinen Mann, der mich in Zeiten von großem Frust immer wieder in meiner Selbständigkeit bestärkt hat. Und auch an meine Kinder, die mir "verziehen" haben, wenn es mal wieder "nur" Nudeln mit Gemüse gab.

 

Wenn ich das alles früher gewusst hätte, hätte ich mir bei meinem Start in die Selbständigkeit Hilfe und Unterstützung von einem Mentor/einer Mentorin geholt. Deshalb unterstütze ich heute mit ganzem Herzen und Engagement die Initiative von jumpp.de, die Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit begleitet.

 

Meine Selbständigkeit und ich:  Aus der Zweckgemeinschaft wurde ein gutes Team und letztendlich ein "Liebespaar".

 

Und damit das auch so bleibt haben "wir" uns entschieden, dass etwas mehr Organisation "unserem" Büroalltag ganz gut tun würde - Büroorganisation gehört nämlich nicht zu meinem Lieblingsthema :-) . Da kam der Online-Kurs von Claudia Kauscheder gerade recht. Viele Tipps und Tricks und eine tolle Community stärken und beleben seitdem meine Arbeit im Home-Office. Claudia Kauscheder hat auch zu der Blogparade aufgerufen, für die ich diesen Artikel geschrieben habe. Das erste Mal nehme ich an einer Blogparade teil!  

 

Wie geht es jetzt weiter? Meine Selbständigkeit und ich sind im Moment so aktiv und kreativ wie nie zuvor. Wir freuen uns auf Veränderung, neue Herausforderungen und viele neue Netzwerkaktivitäten mit tollen Menschen und neuen Kunden für die "wir" kreativ sein dürfen.

 

Und wenn wir mal älter werden, dann arbeiten "wir" als Digitale Nomaden. Ich kenne da in Brasilien den einen oder anderen schönen Strand :-) 

 

PS: Einen ganz lieben Dank an Brigitte Nolting, die jetzt schon mal das digitale Nomadentum im Winter in Indien testet und mich bei der Umsetzung dieses Blogartikels super unterstützt hat. 

 

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